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DAS INSTITUT

Leistungen · Weiterbildung · Zertifikatsweiterbildung

ELF

Professionelle Elternarbeit am Kipppunkt

  • 9 Monate

    berufsbegleitend

  • 128 UE

    Präsenz, Praxis, Supervision

  • 2 Stufen

    Fachkraft und Gruppenleitung

Eskalation ist kein Charakterzug, sondern ein Verlauf. Wer diesen Verlauf lesen kann, kann ihn unterbrechen, bevor er sichtbar wird.

Worum es geht

Fachkräfte begleiten Eltern in Hilfeverläufen, bei Fremdunterbringung, in Umgangskontexten und in konflikthaften Trennungen. Genau dort reicht allgemeines Erziehungswissen nicht aus: Eltern können unter ruhigen Bedingungen völlig angemessene Vorstellungen vertreten und verlieren in der konkreten Situation den Zugang zu ihrem eigenen Wissen, zur Perspektive des Kindes und zu jeder Alternative.

Der sichtbare Kontrollverlust ist nicht der Anfang, sondern das Ende einer Entwicklung. Fachlich entscheidend ist der frühere Moment: Die Lage ist bereits angespannt, aber es besteht noch Handlungsspielraum. ELF macht diesen Moment beobachtbar, benennbar und bearbeitbar.

Die Weiterbildung vermittelt das nicht als Gesprächstechnik. Die Teilnehmer arbeiten mit eigenem Videomaterial, begründen ihre Deutungen am Material, tragen Scham und Abwehr aus und entwickeln aus einer Analyse einen konkreten Schritt, der im Alltag erprobt wird.

Leitidee. ELF qualifiziert nicht zur Anwendung eines Verfahrens, sondern entwickelt einen professionellen Blick: belastende Eltern-Kind-Interaktionen als veränderbare Verläufe lesen, Handlungsfähigkeit konkret wieder aufbauen und Gruppen sicher führen.

Was die Teilnehmer danach können

  • Eine Eskalationssequenz zeitlich rekonstruieren und den Kipppunkt in seiner Vorgeschichte bestimmen, nicht erst im Ausbruch.
  • Beobachtbares Verhalten von Interpretation trennen und Hypothesen am Material begründen.
  • Eine Videosichtung so führen, dass der Elternteil selbst zum Beobachter des eigenen Handelns wird.
  • Die Signale und das mögliche Erleben des Kindes differenziert einbeziehen, ohne seine Innenwelt festzuschreiben.
  • Problematisches Handeln klar benennen, ohne die Person global abzuwerten, schamsensible Konfrontation.
  • Aus der Analyse einen realistischen, beobachtbaren Handlungsschritt entwickeln und seine Wirkung so zurückmelden, dass Eltern die Urheberschaft bei sich erkennen.
  • Eine Gruppe führen, in der Zugehörigkeit und Verantwortung gleichzeitig gehalten werden, und Gegen-Normen begrenzen.

Aufbau der Weiterbildung

Modul 1 · Haltung vor Methode: 2 Tage, 16 UE Beziehung, Macht und professioneller Auftrag. Doppelrolle von Hilfe und Kontrolle, institutionelle Macht, Beteiligung und Scham, professionelle Kipppunkte, Verantwortung ohne globale Entwertung.

Modul 2 · Die Situation lesen: 2 Tage, 16 UE Aufschaukelung, Affekt und Kipppunkt. Collins’ Situationsanalyse, Pattersons Zwangsprozess, Ciompis Affektlogik, körperliche und interaktionale Frühzeichen, das fünfstufige ELF-Raster.

Modul 3 · Das Video als Drittes: 2 Tage, 16 UE Beobachtung, kindliche Perspektive und gemeinsame Sichtung. Die Aufnahme als Untersuchungsgegenstand statt als Beweis: Sequenzauswahl, mentalisierende Sprache, Umgang mit Belastung und Abbruch, Grenzen der Methode.

Modul 4 · Die Gruppe halten: 2 Tage, 16 UE Scham, Gegenseitigkeit und Gegen-Normen. Die Ausbildungsgruppe wird zum Modell der späteren ELF-Gruppe: Normbildung, Bagatellisierung, gemeinsame Externalisierung, Leitung in konflikthaften Situationen.

Modul 5 · Vom Verstehen zum Handeln: 2 Tage, 16 UE Selbstwirksamkeit, Zielbildung und Dokumentation. Spezifische Ziele im realen Einflussbereich der Eltern, Erprobung und Revision, attributive Rückmeldung, Anschluss an die Hilfeplanung.

Modul 6 · ELF durchführen: 1 Tag, 8 UE Praxislabor und Kompetenzfeststellung. Keine neuen Inhalte: eine aufgezeichnete, vollständige Moderationssequenz, strukturierte Selbstreflexion und Rückmeldung anhand definierter Kriterien.

Umfang

  • Präsenzmodule: 88 UE, fünf zweitägige Module à 16 UE und ein eintägiges Abschlussmodul
  • Supervision und Intervision: 16 UE, vier begleitete Termine an realen Praxis- und Moderationssituationen
  • Angeleitete Praxis: 24 UE, Vorbereitung, Durchführung, Videoreflexion und Dokumentation eigener Sequenzen
  • Gesamtumfang: 128 UE über neun Monate (1 UE = 45 Minuten)

Die Abstände zwischen den Modulen sind bewusst Praxiszeiten. Jeder Teilnehmer überträgt den Schwerpunkt in sein Arbeitsfeld, dokumentiert eine konkrete Situation und bringt sie in das nächste Modul oder in die Supervision zurück.

Drei Wege zur Durchführung

Ein Curriculum, drei Auslieferungsformen. Welche passt, hängt davon ab, ob ein Träger allein eine Gruppe füllt und wie viel Implementierungsbegleitung gewünscht ist.

A · Inhouse für einen Träger oder Trägerverbund: geschlossene Gruppe, 10 bis 14 Teilnehmer, vor Ort Die Regelform. Fallmaterial, Zugangswege und Praxisphasen werden auf die Struktur des Trägers zugeschnitten. Der größte Vorteil liegt in der Nachhaltigkeit: Nach Abschluss verfügt eine Einrichtung über mehrere qualifizierte Fachkräfte, die ELF-Gruppen in Doppelbesetzung führen können.

B · Trägerübergreifende Zertifikatsreihe: offene Ausschreibung, 10 bis 14 Teilnehmer, zentraler Veranstaltungsort Für Fachkräfte aus kleineren Diensten und für Selbstzahler. Die gemischte Gruppe ist fachlich ein Gewinn, Hilfen zur Erziehung, Pflegekinderhilfe, begleiteter Umgang und Beratungsstellen bringen unterschiedliche Rahmenbedingungen ein. Erfordert vom entsendenden Träger eine verbindliche Zusage zur Praxisphase.

C · Implementierungswerkstatt für Leitung und Träger: 1 Tag, 8 UE, vorgeschaltet oder parallel zur ersten Phase Kein optionales Beiwerk, sondern die Bedingung dafür, dass die Qualifizierung einzelner Fachkräfte überhaupt trägt. Geklärt werden Auftrag, Zugangswege, Rollen, Doppelbesetzung, Vor- und Nachbereitungszeiten, Supervision, Schnittstellen zur Hilfeplanung und die institutionelle Absicherung des Lernraums gegen fallbezogene Bewertung. Wird gesondert vereinbart.

Zugang

  • Zielgruppe: Fachkräfte der ambulanten, teilstationären und stationären Hilfen zur Erziehung, Beratungsstellen, Pflegekinderdienste, begleitete Umgangsstellen, Familienzentren, Kliniken und sozialraumbezogene Angebote
  • Grundqualifikation: Studium oder anerkannte Fachausbildung in Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Psychologie, Pädagogik oder einem vergleichbaren Feld
  • Praxiserfahrung: in der Regel mindestens zwei Jahre in der Arbeit mit Familien oder einem angrenzenden Feld
  • Organisatorisch: Möglichkeit, während der Weiterbildung Übungs- und Praxissequenzen durchzuführen und mindestens eine Moderationssequenz aufzuzeichnen
  • Vorgespräch: kurzes Aufnahmegespräch zu Aufgabenfeld, Vorerfahrung und den organisatorischen Möglichkeiten der Praxisphase

Eine rein theoretische Teilnahme ohne praktische Erprobung führt nicht zur Zertifizierung.

Abschluss in zwei Stufen

Diese Weiterbildung endet nicht mit einer Teilnahmebestätigung. Beide Stufen setzen eine nachgewiesene, beobachtete Leistung voraus. Das ist der Unterschied zwischen einem Zertifikat und einem Papier, das jede Personalabteilung als Anwesenheitsnachweis erkennt.

Stufe 1 · Zertifikat „ELF-Fachkraft”. Vorausgesetzt sind mindestens 90 Prozent Teilnahme, die geführte Lerndokumentation, eine vollständige Situationsanalyse und die bestandene praxisbezogene Kompetenzfeststellung. Berechtigt zur Anwendung des ELF-Rasters im eigenen Arbeitsfeld und zur Co-Moderation einer ELF-Gruppe.

Stufe 2 · Zertifizierte ELF-Gruppenleitung. Erworben nach der begleiteten Durchführung eines vollständigen ELF-Kurses: Co-Leitung beziehungsweise Leitung von zehn Gruppeneinheiten, mindestens zwei begleitende Supervisionen, eine dokumentierte Fall- und Gruppenprozessreflexion sowie die Auswertung einer eigenen Moderationssequenz.

Kompetenzkriterien

  • Beobachtungsgenauigkeit: Beschreibung und Deutung werden getrennt; Hypothesen sind am Material begründet.
  • Handlungsorientierung: Es entsteht ein realistischer Schritt; die Wirkung wird mit dem konkreten Handeln verbunden.
  • Kindliche Perspektive: Signale des Kindes werden differenziert berücksichtigt, ohne seine Innenwelt festzuschreiben.
  • Gruppenführung: Zugehörigkeit und Verantwortung bleiben verbunden; Gegen-Normen werden begrenzt.
  • Schamsensible Konfrontation: Problematisches Handeln wird klar benannt, ohne die Person global abzuwerten.
  • Rollenklarheit: Lernraum, Kinderschutz und institutionelle Bewertung werden transparent unterschieden.

Rahmen

  • Gruppengröße: 10 bis maximal 14 Teilnehmer
  • Lehrteam: zwei ELF-Lehrtrainer
  • Enthalten: Manual, Arbeitsmaterialien, digitale Lernumgebung und Zertifizierung
  • Inhouse-Durchführung: als Gesamtangebot für eine Gruppe, zzgl. Reise- und Übernachtungskosten des Lehrteams
  • Implementierungswerkstatt: wird gesondert vereinbart, 1 Tag, 8 UE
  • Angebot: auf Anfrage, für die Inhouse-Durchführung ebenso wie für die trägerübergreifende Reihe

Wie wir arbeiten

Wir bilden Menschen weiter, die mit Menschen arbeiten. Was diese Arbeitsfelder verbindet, ist die Belastung durch Beziehung: Sie ist zugleich das Arbeitsmittel und die Verschleißquelle. Unsere Weiterbildungen setzen deshalb nicht bei Techniken an, sondern bei der Haltung, aus der heraus gearbeitet wird. Techniken folgen daraus, nicht umgekehrt.

Fünf Prinzipien gelten in allen unseren Formaten. In dieser Weiterbildung sind sie zugleich der Gegenstand: Was die Teilnehmer in der Ausbildungsgruppe erleben, ist genau das, was sie später mit Eltern herstellen sollen.

  • Haltung vor Technik. Wer selbst nicht reguliert ist, kann niemanden regulieren. Das gilt in der Gruppe mit Eltern und in der Ausbildungsgruppe gleichermaßen.
  • Arbeit am eigenen Material. Professionelles Handeln wird sichtbar und dadurch präzise statt allgemein reflektierbar. Keine Fallbeschreibungen aus zweiter Hand.
  • Verlangsamung. Beobachtung geht der Deutung voraus. Mehrere Lesarten bleiben zunächst nebeneinander stehen, bevor eine gewählt wird.
  • Freiwilligkeit beim Teilen. Niemand wird zur Offenlegung gedrängt, durchgängig, nicht als Floskel. Der Lernraum ist kein Bewertungsraum.
  • Attribution. Gelingende Veränderung wird dem eigenen Handeln zugerechnet, nicht dem Zufall und nicht der Fachkraft. Das gilt für Eltern wie für Teilnehmer.
  • Getrennte Räume. Lernraum, Kinderschutz und Hilfeplanung werden transparent unterschieden. Videomaterial wird nicht für fallbezogene Bewertung verwendet.

Grundsatz der Qualifizierung. Die Weiterbildung folgt derselben Lernlogik wie ELF selbst: beobachten, verstehen, einen konkreten Handlungsschritt entwickeln, erproben, die Wirkung wahrnehmen und das Gelingen dem eigenen Handeln zurechnen.

Fachlicher Hintergrund

ELF verbindet mikrosoziologische Situationsanalyse (Collins), die Theorie des Zwangsprozesses in Familien (Patterson), Affektlogik (Ciompi), Selbstwirksamkeitsforschung (Bandura), gruppentherapeutische Wirkfaktoren (Yalom, Burlingame) und die Metaanalysen zur Videofeedback-Arbeit mit Familien (Fukkink). Die Implementierungslogik folgt Fixsen und dem Fidelity-Modell nach Carroll.

Unsere Arbeit ist darüber hinaus psychoanalytisch und systemisch fundiert, insbesondere im Verständnis von Containment nach Wilfred Bion, und in der Gesprächsführung von der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg geprägt. Beides bleibt im Raum im Hintergrund: Wir arbeiten damit, nicht darüber.

Evaluation und Transfer

Die Qualität wird nicht über Zufriedenheitsbögen erfasst. Zu Beginn und am Ende moderiert jeder Teilnehmer eine kurze Sequenz; verglichen werden beobachtbare Veränderungen im professionellen Handeln. Sechs Monate nach Abschluss findet ein Transfertermin statt, der untersucht, welche Bestandteile stabil geblieben sind und welche organisationalen Bedingungen die Umsetzung tragen oder behindern.

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