Für wen das gedacht ist
Für alle, die Kinder und Jugendliche im Alltag begleiten. Welche Einrichtung auf dem Briefkopf steht, ist dabei zweitrangig.
- Lehrkräfte, Schulleitungen und pädagogisches Personal an Schulen
- Erzieherinnen, Erzieher und Kita-Leitungen
- Fachkräfte und Leitungen der Kinder- und Jugendhilfe
- Mitarbeitende in Wohngruppen und stationären Einrichtungen
- Schulsozialarbeit, ambulante Hilfen, Beratungsstellen
- Träger und Verantwortliche sozialer Einrichtungen
Vorkenntnisse zur Traumapädagogik sind nicht nötig. Das Basismodul beginnt bei den Grundbegriffen.
Worum es geht
„Er stört jeden Tag. Sie fällt nie auf.“ Zwei Kinder, zwei Verhaltensweisen, und in beiden Fällen kann dieselbe Ursache dahinterliegen.
In der stationären Jugendhilfe sind rund drei Viertel der Kinder und Jugendlichen von Traumafolgen belastet. Auch in Kita, Schule und den ambulanten Diensten begegnen Fachkräfte täglich Kindern, die Gewalt, Vernachlässigung, Verlust oder Flucht erlebt haben. Die Frage ist deshalb nicht, ob Fachkräfte mit Traumafolgen zu tun haben, sondern ob sie sie erkennen und einordnen können.
Ohne dieses Grundwissen werden Verhaltensweisen fehlgedeutet: Unruhe und Impulsdurchbrüche als ADHS, dissoziatives Abschalten als Desinteresse. Die pädagogischen Antworten, die daraus folgen, Ermahnung, Sanktion, Verstärkerplan, laufen ins Leere, weil sie am Kern vorbeigehen. Traumafolgesymptome sind keine Störungen des Willens, sondern sinnvolle Anpassungsleistungen an eine überwältigende Erfahrung.
Was Sie danach können
- Mögliche Traumafolgen erkennen und einordnen
- Herausforderndes und zurückgezogenes Verhalten genauer unterscheiden
- Sicherheit, Orientierung und verlässliche Beziehungen im Alltag herstellen
- Die eigenen Handlungsmöglichkeiten erweitern, auch in zugespitzten Situationen
- Eine traumasensible Haltung im Team verankern, statt allein darauf zu hoffen
- Die eigene Belastungsgrenze wahrnehmen und ernst nehmen
- Pädagogische Begleitung von therapeutischer Behandlung abgrenzen
Es geht nicht darum, ein Kind auf seine Geschichte zu reduzieren. Es geht darum, diese Geschichte mitzudenken, wenn man entscheidet, wie man reagiert.
Aufbau der Reihe
Alle Module dauern rund 120 Minuten, finden live online statt und sind einzeln buchbar. Das Basismodul ist Voraussetzung für die Vertiefungen, weil dort die Begriffe gelegt werden, mit denen anschließend gearbeitet wird.
Basis · Traumapädagogik verstehen Was ein Trauma ist und was nicht. Traumatypen, Alarmreaktion, Gedächtnis und Toleranzfenster. Die 5+1 Grundhaltungen der FVTP-Standards und die Grenze zur Therapie. Verstehen und Einordnen, kein Techniktraining. Eine einzige Regulationsübung wird selbst erlebt. Voraussetzung für alle Vertiefungsmodule.
V1 · Stabilisieren und deeskalieren im Alltag Frühwarnzeichen erkennen, Unterbrecher einsetzen, den Notfallkoffer mit dem Kind aufbauen. Die Vier-Phasen-Logik bei herausforderndem Verhalten und die Nachbereitung ohne Strafe. Für jede Übung die Prüffrage: pädagogisch zulässig oder therapeutisch?
V2 · Traumasensibel arbeiten in Kita und Schule Sichere Orte konkret gestalten, traumasensible Sprache, Didaktik und Gruppengestaltung, Zehn-Sekunden-Gespräche und Elternarbeit ohne Beschämung. Die Neurobiologie wird hier reflektiert vertieft, auch dort, wo die gängigen Bilder in die Irre führen.
V3 · Die Einrichtung als sicherer Ort Grundhaltungen im Team verankern statt individuell zu hoffen. Die neun Schlüsselprozesse der FVTP-Standards, eine strukturierte Selbsteinschätzung der eigenen Einrichtung und die Wege zur Zertifizierung. Nur als Inhouse-Modul, für ein Team einer Einrichtung oder eine Leitungsrunde eines Trägers.
V4 · Sorge für die Fachkraft Sekundärtraumatisierung und eigene Gegenreaktionen verstehen, Supervision und kollegiale Entlastung wirksam nutzen, ein eigenes Stabilisierungsrepertoire aufbauen. Der sichere Ort gilt auch für die Fachkraft.
Die Modulfolge ist ein fachlich begründeter Vorschlag; die Vertiefungen werden je nach Zielgruppe angepasst. Fallverstehen an Vignetten und Haltungsarbeit ziehen sich als Querschnitt durch alle Module.
Was diese Reihe leistet und was nicht. Sie vermittelt ein belastbares Grundverständnis und daraus abgeleitetes Handwerkszeug. Sie qualifiziert nicht zur Traumatherapie und ersetzt keine zertifizierte Weiterbildung. Diese Grenze wird nicht verschwiegen, sondern von der ersten Minute an mitgeführt, weil genau diese Klarheit entlastet.
Inhouse: zugeschnitten auf Ihr Haus
Jede Einrichtung bringt eigene Erfahrungen und eigene Reibungspunkte mit. Deshalb steht am Anfang einer Inhouse-Weiterbildung kein Angebot, sondern ein Gespräch von rund 30 Minuten.
Darin klären wir:
- Was Ihr Team gerade beschäftigt
- Wo Unsicherheiten im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen liegen
- Welche Situationen die Mitarbeitenden als besonders schwierig erleben
- Welche Themen und Handlungsmöglichkeiten bei Ihnen am dringendsten gebraucht werden
- Welches Format und welcher Umfang zu Ihrem Dienstplan passen
Daraus ergeben sich Schwerpunkte, Praxisbeispiele und methodische Gestaltung. Die fünf Module bilden den fachlichen Rahmen, der bleibt. Was sich ändert, ist, woran gearbeitet wird.
Das Vorgespräch ist kostenfrei und verpflichtet zu nichts.
Was dazugehört
Begleitheft. A4, 22 Seiten. Begleitet die Weiterbildung Thema für Thema und vertieft sie zum Nachlesen. Jede Seite trägt oben den Fachinput und unten einen Reflexionsteil für die eigene Praxis. Mit Glossar und Literaturverzeichnis, vorab mit der Einladung.
Praxisheft. A4, 14 Seiten. Zwölf Kopiervorlagen für Team, Kind und Eltern: Fallverstehen in 30 Minuten, die vier Krisenphasen, Notfallplan mit dem Kind, Formulierungshilfe für die Dokumentation, Leitungs-Checkliste, Elterninformation in einfacher Sprache.
Nachweis. Teilnahmebescheinigung mit Stundenumfang, ausgewiesenen Lernzielen und fachlicher Verortung an den FVTP-Standards 2025, nicht nur ein Anwesenheitsnachweis.
Alle Wissensinhalte sind mit Quellenangaben belegt. Die Teilnehmer können jede Aussage nachlesen und im eigenen Team vertreten, ohne sich darauf berufen zu müssen, dass es in der Weiterbildung so gesagt wurde. Beide Hefte bleiben über die Weiterbildung hinaus nutzbar.
Rahmen
- Basismodul: je Teilnehmer, beide Hefte und Bescheinigung enthalten
- Vertiefungsmodul: je Teilnehmer, Materialien und Bescheinigung enthalten
- Gesamtreihe: je Teilnehmer, alle fünf Module als Durchgang
- Inhouse je Modul: bis 25 Teilnehmer, als Gesamtangebot für ein Team, zzgl. Reisekosten bei Präsenz
- Inhouse Modul V3: als Gesamtangebot, nur für Teams einer Einrichtung, einschließlich Auswertung der Selbsteinschätzung
- Inhouse Gesamtreihe: alle fünf Module als Gesamtangebot für ein Team
- Angebot: auf Anfrage, für einzelne Module, die Gesamtreihe und Inhouse-Durchführungen
- Mindestteilnehmerzahl: acht Personen bei offenen Modulen; andernfalls behalten wir uns die Absage bis eine Woche vor Beginn vor
Wie wir arbeiten
Diese Reihe wird so gestaltet, wie traumasensible Pädagogik im Alltag wirken soll. Die Form vermittelt den Inhalt mit: Wer zwei Stunden lang erlebt hat, dass Wahlfreiheit, Transparenz und Dosierung tatsächlich gelten, weiß anschließend etwas anderes als jemand, der darüber gelesen hat.
- Haltung vor Technik. Die Annahme des guten Grundes ist der Kern. Techniken folgen aus der Haltung, nicht umgekehrt.
- Dosierung und Wahlfreiheit. Jede Übung ist ein Angebot, jede Information wird dosiert. Aussteigen ist jederzeit in Ordnung und wird nicht kommentiert.
- Ressourcen statt Defizite. Verhalten wird als Überlebensleistung gewürdigt. Was als Störung erscheint, wird als Anpassung lesbar.
- Entlastung. Es wird ausdrücklich benannt, was nicht Aufgabe der Pädagogik ist. Das nimmt Druck und Schuldgefühle.
- Transfer. Kleine, alltagstaugliche Schritte statt Programmatik, anschlussfähig an die reale Praxis der Teilnehmer.
- Drei Ebenen. Kind, Fachkraft, Einrichtung. Der sichere Ort gilt auch für die Fachkraft und ist Aufgabe aller Ebenen.
Fachlicher Anspruch
Konsequente Quellenarbeit. Die Inhalte stützen sich auf zehn einschlägige Fachwerke und orientieren sich an den Standards des Fachverbands Traumapädagogik in der grundlegend überarbeiteten Auflage von 2025. Evaluationsstudien sprechen für den Ansatz, belastbare Effektstärken stehen aber noch aus. Wir versprechen deshalb keine Wirksamkeit, sondern benennen die Befundlage so, wie sie ist.
Reflektierte Neurobiologie. Bilder wie der Rauchmelder im Kopf oder das dreigliedrige Gehirn sind wirksame didaktische Vereinfachungen, mehr aber auch nicht. Wir nutzen diese Modelle und kennzeichnen sie zugleich als Modelle, statt sie als gesicherte Hirnfakten auszugeben. Damit nehmen wir die fachliche Kritik an einer verkürzten Neurobiologie-Rezeption ernst, die davor warnt, soziale und biografische Zusammenhänge hinter griffigen Hirnbildern verschwinden zu lassen.
Klare Rollen von Anfang an. Stabilisierung und Alltagsgestaltung sind pädagogische Aufgaben, das Durcharbeiten der Traumaerinnerung ist Therapie. Diese Unterscheidung wird nicht auf spätere Module verschoben. Sie beugt der Überforderung vor, ich muss das Trauma bearbeiten, ebenso wie der falschen Zurückhaltung, ich dürfe gar nichts.
Sicherheit im Raum. Das Thema berührt Teilnehmer auch persönlich; eigene biografische Erfahrungen sind in pädagogischen Berufen keine Seltenheit. Das wird nicht ignoriert, sondern fachlich gerahmt: angekündigt zu Beginn, mit durchgängiger Wahlfreiheit, ohne persönliche Prozesse zu eröffnen, und mit Orientierung ins Hier und Jetzt nach jeder aktivierenden Phase. Bei Bedarf verweisen wir auf Beratungs- und Hilfsangebote.
Einordnung
Diese Reihe ist ein eigenständiges Grundlagenangebot von DAS INSTITUT. Sie ist kein Bestandteil der zertifizierten Weiterbildung „Traumapädagogik und traumazentrierte Fachberatung“ nach DeGPT und FVTP mit 150 Unterrichtseinheiten und führt nicht zu deren Abschluss. Inhaltlich orientiert sie sich an den FVTP-Standards 2025.
Wir sagen das deutlich, weil die Verwechslung im Markt verbreitet ist und Sie wissen sollten, was Sie kaufen. Wer die zertifizierte Weiterbildung anstrebt, findet hier einen fundierten Einstieg, keinen Ersatz.